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Gestaltung - Didaktische Entscheidungen - Lehr- und Lernformen

Einfache und komplexe Aufgaben

Lernen an der Hochschule zielt insbesondere auf die Befähigung der Studierenden ab, selbständig komplexe Probleme ihres Fachgebietes zu identifizieren und zu bearbeiten. Die Frage ist nun, wie diese Befähigung schrittweise erworben werden kann. Klassische Ansätze gehen hier von einem systematischen Aufbau von den grundlegenden, einfachen Konzepten, Methoden und Prinzipien zu den abgeleiteten, immer komplexeren. Hier wird einer Sach- und Entwicklungslogik gefolgt. Das Fachgebiet wird sozusagen kartografiert, und der Maßstab Stück für Stück verringert. Die ersten Karten und die damit einhergehenden Lernsettings sind einfach und übersichtlich aufbereitet. Der konstruktivistische Gegenentwurf fordert dagegen, dass das Lernen grundsätzlich in komplexen, realistischen Situationen stattfinden sollte. Dadurch soll zweierlei gewährleistet werden: die Motivation für den Lernprozess soll durch den Lebensbezug gesichert werden und das erworbene Wissen soll unmittelbar anwendungsfähig sein.

In der Praxis zeigt sich, dass beide philosophischen Grundansichten nicht streng durchgehalten werden können. Einfache Aufgaben lassen sich unzweifelhaft leichter lösen, aber ihr Sinn und Zweck im Rahmen der Ziele der Lernenden und der Sachlogik muss trotzdem ersichtlich sein. Dazu werden z.B. "Advance Organizer" eingesetzt, d.h. übergreifende Strukturierungen eines Sachgebietes in Anknüpfung an das Vorwissen. Die Bearbeitung komplexer Aufgaben muss in Abhängigkeit von den allgemeinen und spezifischen Fähigkeiten der Lernenden unterstützt und begleitet werden. Komplexe Aufgaben müssen in handhabbare Teilprobleme zerlegt werden. Nicht bewältigte Teilaufgaben müssen ausgegliedert und gesondert gelernt werden. Die Bearbeitung komplexer Aufgaben kann in einer Lerngruppe auch arbeitsteilig geschehen. Auch auf diese Weise erfolgt letztendlich eine Aufgliederung. Die geschilderten Ansätze unterscheiden sich also letztendlich gar nicht darin, dass in der einen oder anderen Form einfachere Module und ein komplexes Ganzes zueinander in Bezug gesetzt werden, denn das ist grundsätzlich notwendig. Der Unterschied liegt vielmehr darin, ob einer bewältigbaren disziplinären Fach-und Sachlogik gefolgt wird oder ob eine realistischen Situation zum Ausgangspunkt der Überlegungen gemacht wird. Realistische Aufgaben erfordert neben interdisziplinärem Denken auch den Umgang mit Komplexität an sich, d.h. mit prinzipiell in der gegebenen Zeit nicht vollkommen analysier- und steuerbaren, eigendynamischen Variablenmengen beträchtlicher Größe.

 

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LIMA / Universität Landau 2004
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