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Benutzerführung und Selbststeuerung beim Wissenserwerb mit multimedialen Lernumgebungen

   
 

Ziel der Studie:

Ziel der Studie ist die Untersuchung der Auswirkungen verschiedener Formen von Benutzerführung und Lernsteuerung in multimedialen Lernumgebungen bei verschiedenen Nutzergruppen.

Theoretischer Hintergrund:

Hypermedien sind in jüngster Zeit zu einem festen Bestandteil des Bildungs- und Informationssektors geworden. Durch den Aufbau von Hypermedien in Form von Knoten und Verknüpfungen, den sogenannten Links, regen solche Systeme zur Exploration und zur eigenständigen Konstruktion von Wissen an. Demgegenüber steht jedoch das zentrale Problem des "cognitive overload" (also einer kognitiven Überlastung) des Lerners. Für einen erfolgreichen Wissensaufbau muss nicht nur der semantische Inhalt des Lernmaterials erfasst werden, sondern im Umgang mit Hypermedien sind zusätzlich Orientierungs- und Navigationsleistungen zu erbringen. Der Lerner hat folglich eine doppelte Aufgabe zu bewältigen, was insofern von Bedeutung ist, als die kognitiven Ressourcen begrenzt sind.

Daher kann gerade diese Freiheit für den Lerner, nämlich die selbständige Sequenzierung oder Auswahl von Inhalten, nachteilig sein, falls der Lerner keine ausreichende Fähigkeit zu dieser Selbststeuerung besitzt und daher instruktional ungünstige Entscheidungen trifft.

Vor diesem Hintergrund ist die Auswirkung einer entsprechenden Strukturierung der Lernumgebung in Form von Lernhilfen (hier Einführung, Lernfragen, Lernziele Zusammenfassung, Bezüge und Lernkontrollfragen) von Interesse. Lernhilfen sind als besonderer Aspekt der Benutzerführung anzusehen.

Bei der Darbietung von Hilfen ist neben der Umsetzung der Lernhilfen ebenso deren Präsentationsformat von Bedeutung, denn unter Umständen kann bereits die Entscheidung, die Hilfen zu nutzen oder nicht, den Lerner kognitiv überlasten. Entsprechend können Hilfen obligatorisch, also unabhängig von der Anfrage des Lerners, oder optional als Link angeboten werden.

Der Nutzen solcher Lernhilfen wird sicherlich durch das Vorwissen des Lerners beeinflusst.

Weiterhin ist die Akzeptanz der verschiedenen Präsentationsformate der Lernhilfen (obligatorisch, optional oder keine Hilfen) zu hinterfragen.

Methode:

99 Untersuchungspersonen, Studenten der Universität Koblenz-Landau und Schüler der gymnasialen Oberstufe, wurde eine komplexe hypermediale Lernumgebung zum Thema "Attribution und soziale Kognition" präsentiert. Entsprechend der Vortest-Ergebnisse wurden die Versuchspersonen in zwei Gruppen mit hohem bzw. geringen Vorwissen eingeteilt und innerhalb dieser Gruppen zufällig den drei Stufen des Präsentationsformats der Lernhilfen zugewiesen: entweder obligatorische Vorgabe der Lernhilfen, optionale Darbietung als Link oder keine Verfügbarkeit von Lernhilfen. Weiterhin erfolgte eine Erhebung der Intelligenz (räumliche sowie verbale). Die Wirkung der Lernhilfen wurde anhand eines Lernerfolgstests überprüft, zudem wurde mit Hilfe eines Fragebogens die Akzeptanz der Lernhilfen bzw. deren Darbietungsform erfasst.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die von uns eingesetzten semantischen Lernhilfen nur dann eine Steigerung des Lernerfolgs hervorrufen können, wenn das Vorwissen des Lerners hoch ist und wenn er die Lernhilfen adäquat nutzt, d.h. insbesondere die Einführung, Lernziele und Lernfragen vor den Lerninhalten bearbeitet. Dies dürfte darauf zurückzuführen zu sein, dass die Lerner mit niedrigem Vorwissen aufgrund einer kognitiven Überlastung durch die semantischen Lernhilfen und die neue dargebotenen Information in Verbindung mit den Anforderung der Orientierung und Navigation in der Lerneinheit nicht in der Lage waren, die durch die Lernhilfen gegebenen Hilfestellung auch effektiv umzusetzen. Lerner mit hohem Vorwissen hingegen konnten die Lernhilfen in ihre schon vorhandenen elaborierten Wissensstrukturen einbinden und so die Hilfestellung zur Auswahl und Strukturierung von relevanten Information aus den Lerninhalten effektiv nutzen.

Eine Auswertung des Akzeptanz-Fragebogens zeigte weiterhin ein einheitliches Bild hinsichtlich der Präferenz der Präsentationsformate: In allen drei Versuchsbedingungen gaben die Untersuchungsteilnehmer an, sie würden eine optionale Vorgabe von Lernhilfen einer obligatorischen Vorgabe vorziehen. Nur ein sehr geringer Prozentsatz wünschte gar keine Lernhilfen.

Da diese deutliche Präferenz für das optionale Präsentationsformat allerdings nicht mit einer Steigerung der Lernleistung bei allen Lernern in der optionalen Versuchsbedingung einhergeht, scheint weitere Forschung nötig, um die optimale Balance zwischen der Führung des Nutzers und der ihm zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen zu ergründen.

Veröffentlichungen:

Heiß, A., Eckhardt, A. & Schnotz, W. (2003). Selbst- und Fremdsteuerung beim Lernen mit Hypermedien. (Self-Regulation and Instructional Guidance in Learning from Hypermedial.) Zeitschrift für Pädagogische Psychologie (German Journal of Educational Psychology), 17, 3/4, 211-220.

Heiß, A., Eckhardt, A., & Schnotz, W. (2002). Benutzerführung und Selbststeuerung beim Wissenserwerb mit hypemedialen Lernumgebungen. In U. Bernath (Hrsg.), Online Tutorien. S. 57-62. Oldenburg: BIS Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg.

Instructional Guidance and Learner Characteristics in Knowledge Acquisition from Hypermedia. (Eckhardt, Heiß & Schnotz). Vortrag auf der 10th European Conference for Research on Learning and Instruction 26.-30. August 2003 in Padua, Italien.

Benutzerführung und Selbststeuerung beim Wissenserwerb mit hypermedialen Lernumgebungen. (Heiß, Eckhardt & Schnotz). Vortrag auf dem Spezialkongress "Distance Learning" der AG-F im Rahmen der LEARNTEC 2002, 05.-08. Februar 2002 in Karlsruhe.

Instructional Guidance and Self-regulation in Knowledge Acquisition from Multimedia. (Eckhardt, Probst & Schnotz). Vortrag auf der 9th Conference for Research on Learning and Instruction in Fribourg, Schweiz, 28.August - 01.September 2001.

Benutzerführung und Selbststeuerung beim Lernen mit hypermedialen Lernumgebungen. (Probst, Eckhardt & Schnotz). Vortrag auf der 8. Fachtagung Pädagogische Psychologie in Landau, 17.-19.September 2001. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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