Kontrastive Medienlinguistik
Einladung zum Internationalen Kolloquium am 18./19. Mai 2007
in Landau / Pfalz *
Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!
Im Mai 2004 fand in Helsinki ein internationales Kolloquium zum Thema Pressetextsorten im Vergleich / Contrasting Text Types in the Press statt, organisiert von Hartmut Lenk und Andrew Chesterman. Die Beiträge sind im letzten Jahr unter gleichlautendem Titel als Band 17 der Reihe ,Germanistische Linguistik Monographien’ im Olms Verlag erschienen. Ein ausführlicher Tagungsbericht von P. Schäfer / Ch. Schowalter findet sich in ZGL 32 (2004), 449-454.
Als Nachfolge-Veranstaltung ist nun für den 18. und 19. Mai 2007 in Landau ein Kolloquium Kontrastive Medienlinguistik vorgesehen. Die Ausrichtung hat, in Zusammenarbeit mit Hartmut Lenk, das Institut für fremdsprachliche Philologien übernommen. Zu dieser Veranstaltung möchten wir Sie hiermit herzlich einladen.
Inhaltlich möchten wir gegenüber Helsinki insofern eine Erweiterung vornehmen, als nicht mehr nur Textsorten der Presse, sondern ebenso auch andere Kommunikationsformen, einschließlich der sog. Neuen Medien, zur Sprache kommen sollen. Außerdem sollte sich das Spektrum der untersuchten Sprachen nicht auf das Deutsche und das Englische beschränken.
Textsorten gelten gemeinhin als Orientierungsgrößen, als allgegenwärtige Gestaltungsmuster, denen zum Beispiel Journalisten bei der Produktion ihrer Beiträge folgen, die aber auch für den Leser bei der Textrezeption maßgeblich sind und dessen Erwartungshaltung bestimmen. Textsorten unterliegen, das gilt besonders für den Medien-Bereich, einem permanenten historischen Wandel; an ihnen lassen sich nicht zuletzt auch Veränderungen der Vermittlungs- und Übermittlungserfordernisse ablesen. Textsorten weisen – und dies gilt trotz zunehmender Internationalisierungstendenzen – vielfach mehr oder weniger starke kulturspezifische Prägungen auf. Entsprechende Divergenzen können bekanntlich alle Beschreibungsebenen einschließlich des Textlayouts und anderer visueller Gestaltungskomponenten betreffen.
Andererseits jedoch besteht eine unverkennbare Tendenz zu Mischformen, fließenden Übergängen und zur Auflösung starrer Textsortennormen. Die Möglichkeiten des Experimentierens mit eingespielten Formen scheinen unbegrenzt; die Frage, ob man überhaupt noch von einem festen Repertoire journalistischer Textsorten ausgehen kann, drängt sich auf.
Vor diesem Hintergrund soll das geplante Kolloquium zunächst einmal eine Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen und Innovationen liefern. Ein Schwerpunkt wird dabei auf den Printmedien liegen, und zwar sowohl mit Blick auf gegenwärtige (und frühere) Prinzipien der Informationsdarbietung wie auch auf Präsentationsformen ihrer hypertextuell angelegten Online-Versionen; zu berücksichtigen wären ebenfalls neuere interaktive Kommunikationsformen (elektronische Zuschriften, Chats u.a.). Ein weiteres wichtiges Anliegen betrifft den kulturkontrastiven Textvergleich. Wo liegen interlinguale und interkulturelle Unterschiede? Unter dem Stichwort der ,kontrastiven Textologie’ hat es bereits eine ganze Reihe von Einzeluntersuchungen gegeben; diese gilt es empirisch zu erweitern und methodologisch zu reflektieren.
Für die beiden Plenarvorträge konnten wir Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Lüsebrink (Universität Saarbrücken) und Herrn Prof. Dr. Stephan Stein (Universität Lüneburg) gewinnen.
Darüber hinaus planen wir, die Veranstaltung in zwei Sektionen durchzuführen, so daß ca. 30 Vorträge (von 20 Min. + 10 Min. Diskussion) gehalten werden können.
Mögliche Fragestellungen für Beiträge könnten sein:
Welche Rolle spielen Textsorten in der multimedialen Wirklichkeit moderner Massenkommunikation? Trifft es zu, daß speziell die Tagespresse sich als weitgehend resistent gegenüber dem Textsortenwandel erweist?
In welchem Verhältnis stehen Printversion und Online-Version zueinander? Wie wird das Kommunikationspotential genutzt?
Welche sprachlichen Konsequenzen ergeben sich aus den veränderten Rezeptionsgewohnheiten, insbesondere der Tendenz zu selektiver Lektüre? Welche Formen der Adressatenorientierung herrschen vor?
Wie werden Textbeiträge mit visuellen und graphischen Komponenten verbunden? Welche Text-Bild-Relationen sind charakteristisch? Welche paratextuellen Tendenzen lassen sich erkennen?
Inwieweit manifestieren sich in Medienbeiträgen nationale Kommunikationskulturen, welche Vertextungskonventionen, welche Schreibtraditionen lassen sich identifizieren?
In welchem Maße werden interkulturelle Differenzen bei den Verfahren der Berichterstattung identifizierbar? Wie werden bestimmte Textfunktionen in Abhängigkeit von ihren medienspezifischen Kontexten realisiert?
Willkommen sind vor allem Beiträge, die eine vergleichende Perspektive einnehmen; diese kann interkulturell, intermedial, sprach- oder medienhistorisch geprägt sein.
Wir bitten um die Anmeldung von Vorträgen mit Titel und Kurzzusammenfassung (im Umfang von ca. einer halben Seite); sie können diese brieflich, per Fax unter der Nummer +49-6341-146 101 oder per E-Mail an die folgenden Adressen vornehmen:
heinz-helmut.lueger@t-online.de oder Hartmut.Lenk@helsinki.fi
Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns mit der Anmeldung Ihre E-Mail-Adresse mitteilen könnten. Für die Finanzierung der Veranstaltung wollen wir einen Förderantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellen, deshalb bitten wir Sie, uns Ihre Teilnahme möglichst rasch mitzuteilen, spätestens aber bis zum
3. Mai 2006.
Die enge Terminfestlegung ergibt sich aus der einjährigen Antragsfrist bei der DFG.
Sollte die Zahl der Vortragsanmeldungen die o.g. Grenze von 30 Beiträgen überschreiten, werden die Vorschläge anonymisiert einem Gutachtergremium zur Evaluierung vorgelegt. Wesentliche Auswahlkriterien werden sein: die innovative Leistung, das methodische Vorgehen, der Eingangszeitpunkt der Anmeldung.
Es ist geplant, die Kolloquiums-Beiträge in einem Sammelband der Landauer Schriften zur Kommunikations- und Kulturwissenschaft (LSKK) zu veröffentlichen.
Wir erheben eine Tagungsgebühr von 50 € (für Studenten oder Kollegen ohne Einkommen ermäßigt sich der Betrag auf 20 €).
Im Park-Hotel Landau, in dem die Tagung stattfinden wird, haben wir für die Zeit vom 17.-20. Mai eine gewisse Anzahl von Einzelzimmern zum Preis von ca. 62 Euro/Nacht (+ MwSt) vorreserviert. Nach Erstellung des Tagungsprogramms werden wir Sie diesbezüglich noch genauer informieren.
Für heute verbleiben wir mit den besten Grüßen
* Wir weisen vorsichtshalber darauf hin, daß Landau kein Vorort von Koblenz ist, sondern 200 km weiter südlich in der Toscana Deutschlands liegt.