Begegnungen mit Goethe

 Inhalt

Lumen Coelum

Über ein Leitmotiv bei Goethe und Puschkin

Rostislav Danilevski

Das Motiv des Himmelslichtes (Lumen Coelum) wird anhand der Ballade Alexander Puschkins vom Armen Ritter und Goethes Spätwerks (Faust II, West-Östlicher Diwan) typologisch untersucht. Wichtige Gemeinsamkeiten in der Behandlung des Motivs bei Goethe und Puschkin werden festgestellt.

Inhalt

1. "Ballade vom Armen Ritter" im Kontext des Romans "Der Idiot" von F. M. Dostojewski

2. Die Vorgeschichte der Ballade Puschkins

3. Der "Arme Ritter" und die russische Religionsphilosophie

4. Lumen Coelum bei Goethe

5. Schlussbemerkungen

 

Lermontow und Goethe

Gennadij W. Stadnikow

Das Problem der Goethe-Rezeption bei einem der bedeutendsten russischen Dichter des 19.Jahrhunderts Michail Lermontow wurde in der Forschung nur kursorisch und ziemlich unzulänglich behandelt. Beim näheren Zusehen lassen sich mehrere "Spuren" Goethes nicht bloß in der Lyrik Lermontows (das bekannteste Beispiel ist Lermontows Übersetzung von "Wanderers Nachtlied"), sondern auch in dessen Dramen und Erzählprosa finden.

Inhalt

1. Die Problemstellung

2. Die Rezeption von Goethes Balladen

3. Das Mignon-Motiv bei Lermontow

4. Lermontow und "Die Leiden des jungen Werther"

5. "Faust"-Reminiszenzen bei Lermontow

6. Goethe und Lermontow: zwei Dichterindividualitäten

7. Übersetzung von "Wanderers Nachtlied"

 

Das Goethebild in der russischen postmodernen Poesie und Prosa.

Wenedikt Jerofejew, Dmitrij Prigow

Larissa Polubojarinowa

Das Goethebild der russischen postmodernen Literatur weist äußerst ambivalente Züge auf. Einerseits wird dem Weimarer Klassiker traditionsgemäß die Qualität einer der repräsentativsten Größen der westlichen Kultur zugesprochen. Beispiele einer verspielt saloppen bzw. bewusst kuriosen Behandlung der Person Goethes bei Jerofejew und Prigow zeugen andererseits von einer gewissen Aversion wenn nicht gegen den deutschen Dichter selbst, dann gegen die "westliche" kartesianische Weisheit, mit welcher man ihn assoziiert, bzw. gegen ein primitives, von der Stalinschen Literaturwissenschaft herrührendes Goethebild.

Inhalt

1. Zur Rezeption des westlichen Kulturgutes in Russland

2. Zur Vorgeschichte des russischen Goethebildes

3. Das Goethebild bei Wenedikt Jerofejew

4. Dmitrij Prigows Goethebild

5. Schlussbemerkungen

 

Hermann Hesses "Steppenwolf" und Goethes "Faust"

Ada Beresina

Einer der bekanntesten Romane Hermann Hesses, "Der Steppenwolf", wird eingehend in Bezug auf "Faust"-Motive untersucht. Es wird auf manche Berührungspunkte in den Gestalten von Protagonisten der Tragödie Goethes und des Hesseschen Romans, sowie in den Figuren von Mephistopheles und Hermine, in der Komposition von beiden Werken und im Konzept des "Ewig-Weiblichen" bei Goethe und Hesse verwiesen. Die bei Goethe fehlende, bei dem Romancier dagegen bereits verinnerlichte Erfahrung der Psychoanalyse, sowie eine Grundverschiedenheit von Dichterindividualitäten Goethes und Hesses bedingen jedoch einen gravierenden Unterschied beider Werke.

Inhalt

1. Zur Problemstellung

2. "Steppenwolf" und die Erfahrung der Psychoanalyse

3. Der Chronotopos des "Magischen Theaters"

4. Die Komposition des Romans Hesses, verglichen mit "Faust I" und "Faust II"

5. Harry Haller und Faust

6. Hermine und Mephistopheles

7. Das Ewig-Weibliche bei Goethe und Hesse

8. Die Frage nach dem Lebenssinn bei Goethe und Hesse

9. Die Schlussszenen von "Steppenwolf" und der Schluss von "Faust II"

 

Dichtung und Käferkunde.

Geschichte als Naturgeschichte bei Goethe und Ernst Jünger

Inge Reinmüller

Die Auseinandersetzung Goethes und Ernst Jüngers mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen ihrer Zeit zeigt bei aller Verschiedenheit der gesellschaftlichen Bedingungen und Erfahrungen eine eigentümliche Parallele: Beide sehen menschliche Geschichte eingebettet im weiteren naturgeschichtlichen Kontext. Sowohl in Goethes "Natürlicher Tochter" als auch in Jüngers "Auf den Marmorklippen" wird die Frage nach der Relation von Individuum und Gesellschaft, von Chaos und Ordnung in einer geschichtlichen und gleichzeitig auch überzeitlichen Perspektive gestellt; das Schicksal des Einzelnen erscheint dem Bestehen allgemeiner humaner Werte untergeordnet und der Tod des Einzelnen im Überleben der Spezies aufgefangen.

Inhalt

1. Zur Problemstellung

2. Die Darstellung der geschichtlichen Krisensituation in Goethes "Die natürliche Tochter"

3. Goethes Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution

4. Goethes und Ernst Jüngers Auseinandersetzung mit dem Krieg

5. Geschichte und Naturgeschichte in "Auf den Marmorklippen"

    Literatur

 

Albert Schweitzers Goethe-Schriften

Gerhard Fieguth

Zu den "Wirkungen Goethes" gehört trotz mancher Verwerfungen im Einzelnen eine seit zwei Jahrhunderten kontinuierlich anhaltende Kraft, zu Lebzeiten durch Gestalt und Werk, nun aber durch das Werk andere Menschen existentiell zu berühren. Abgesehen von jenen, bei denen diese Berührung doch auch beruflich begründet ist, begegnen uns immer wieder Menschen unterschiedlichster Provenienz, die wie Albert Schweitzer durch ihre Person, durch ihr Lebenswerk Zeugnis von dieser tief prägenden Einwirkung ablegen. Untersucht wird dies am Beispiel des Theologen und Philosophen, des Musikwissenschaftlers und Musikschaffenden, endlich Mediziners Albert Schweitzer. In vier Goethe-Reden zwischen 1928 und 1949 hat er seinen "Weg zu Goethe", schließlich seinen Weg mit Goethe dargestellt. Diese leisten einen ganz eigenen Beitrag zur Wirkungsforschung Goethes in ihrem Wechselspiel von identifikatorischer Nähe und befremdender Distanz.

Inhalt

1. Der Mythos "Albert Schweitzer"

2. Das Axiom: Kultur und Ethik

3. Goethe: Die "Sonnenscheibe"

4. Die Goethe-Schriften: Spiegelungen

 

Natur, Goethe und die Wissenschaft

Ansgar Häußling

Am Beispiel von Goethes Farbenlehre wird die selbst bis heute aktuelle Frage nach alternativen Paradigmen moderner Wissenschaft erneut ausgelotet. Zwei Wege werden hierzu verfolgt. Der erste Weg gilt einer aktuellen Rekonstruktion von Goethes Modell der Farbenlehre im Unterschied zu jener Newtons. Mit dem zweiten wird der Forderung nach der Geschichtlichkeit der Bedeutung der maßgeblichen Gegenstände unseres Denkens, Handelns und Sprechens entsprochen. Bekanntlich führte sie zum Sinnverlust der klassischen Form der Wahrheitssuche. Aus der Vernetzung beider Wege kann gefolgert werden, dass Goethes Ordnungsruf nach alternativer Wissenschaft in den Wissenschaftsbegriff selbst hineingewandert ist. Auf diese Weise wird heute vor Ort unser breit gefächertes Handeln und Sprechen konzeptuell und methodisch vielfältig erprobt.

Inhalt

1.     Hinweise auf die Ausgangssituation

2.     Zur Sachlage

3.     Natur und Wissenschaft: Diskurs oder Diktat?

3.1.  Goethes Ordnungsruf

3.2.  Der Wissenschaftsbegriff des Alltagsverstandes (Wissenschaftsmodell nullter Stufe)

3.3.  Goethes Farbenlehre: ein Abriss

3.4.  Newtons Wissenschaftsmodell: ein Abriss im Vergleich

3.5.  Goethe: ein Außenseiter?

4.     Eine Bestandsaufnahme

4.1.  Erste Eindrücke

4.2.  Wissenschaft im Widerstreit

4.3.  Goethes Naturbegriff: ein lediglich imaginierter?

5.     Nachbetrachtungen

        Literatur

 

Wahrnehmung und Bewertung des Fremden in Goethes Werk

Hans H. Reich

In den europäischen Diskussionen um die interkulturelle Bildung ist Goethe immer wieder als Bürge einer universalistischen Position aufgerufen und gegen eine differenzialistische Position - für die dann in der Regel Herder als Antipode bemüht wird - ausgespielt worden. Diese Argumentation ist aber als entschieden zu grob anzusehen. Was Goethe zur "Begegnung mit dem Fremden" zu sagen hatte, ist nicht selten mehrschichtig, und es unterliegt biographischen Wandlungen in dialektischen Schritten. Dies aufzuzeigen ist der Zweck des folgenden Beitrags. Näher betrachtet werden das Gedicht "Der Wandrer", die Entwicklung der Einstellung Iphigenies zu den Taurern, die Darstellung der sozialen Desintegration des Fremden in den "Lehrjahren", die unterschiedliche Weite des Blicks auf Alterität in der "Italienischen Reise" und einige Auslegungen des Weltliteratur-Begriffs im Spätwerk.

Inhalt

1. Das "Fremde" als Analysebegriff

2. Der "Wandrer": das Fremde als Verunsicherung des Eigenen

3. "Iphigenie auf Tauris": die Utopie der Interkulturalität

4. Mignon und der Harfner: die Gefährdung des Lebens durch unaufhebbare Fremdheit

5. Die gewollte Balance: selektive Wahrnehmung des Fremden als Selbstbewahrung

6. Weltliteratur als Prozess des Kennenlernens von Fremdem

    Literatur

 

Videoproduktionen zur Biographie und zu Werken Goethes

Helmut Deck

Im Goethejahr 1999 wurden im Fernsehen eine Vielzahl von Film- und Videoproduktionen zur Biographie und zu den Werken Goethes gezeigt. Dies waren meist nicht Produktionen zu diesem Anlass, sondern überwiegend Beiträge, die bereits zu früheren Zeiten gesendet worden waren. Anmerkungen zu einigen ausgewählten Beispielen sollen die hier vorgestellte Liste ergänzen.

Inhalt

1. Produktionen zur Biographie

2. Inszenierungen der Werke Goethes für Film, Fernsehen und Theater

3. Produktionen von Theaterstücken mit Goethe als Figur