Lothar Bredella
Wie lässt sich der Bildungssinn literarischer Text bestimmen? Um diese Frage beantworten zu können, skizziere ich zwei unterschiedliche Vorstellungen von Bildung. Im ersten Fall besteht Bildung in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den jeweiligen Gegenständen; d.h. man wendet sich ihnen um ihrer selbst willen zu und klammert ihre lebensweltlichen Bezüge aus. Diese Vorstellung von Bildung liegt auch der formalistischen Literaturauffassung zu Grunde. Die zweite Vorstellung von Bildung richtet die Aufmerksamkeit auf die Wirkung der Beschäftigung mit den Gegenständen für die jeweilige Person. Das bedeutet für den Bildungssinn literarischer Texte, dass der Leser nicht seine Gefühle und Wertvorstellungen ausklammert, sondern mit ihnen auf sie reagiert und antwortet. Daher wird bei der Rezeption literarischer Texte auch die Empathie-, Sympathie- und Urteilsfähigkeit des Lesers entwickelt. Aus den beiden unterschiedlichen Auffassungen von Bildung ergeben sich auch Auswirkungen für das Verhältnis von Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik. Im Literaturunterricht wird nicht vorrangig literaturwissenschaftliches Wissen vermittelt, sondern vielmehr das Bildungspotential literarischer Texte entfaltet. Deshalb erfolgt auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Auffassung der Didaktik als Vermittlungswissenschaft.
Inhalt
1. Die Einheit von Wissenschaft und Bildung
2. Didaktik als Verrat an der Sache
3. Didaktik als Vermittlungswissenschaft?
4. Der Bildungssinn literarischer Texte
5. Förderung der Empathie- und Sympathiefähigkeit
6. Das Verhältnis von academic und personal approach
7. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Bernd Ulrich Biere
Der Beitrag argumentiert dafür, die Fachdidaktiken und insbesondere die Fachdidaktik Deutsch als eine Vermittlungswissenschaft, d.h. als „Transferwissenschaft“ zu verstehen. Historisch wird dies aus dem Kontext von Aufklärungshermeneutik einerseits (J.M. Chladenius) und romantischer Hermeneutik andererseits (F.D. Schleiermacher) abgeleitet. In der Aufklärungshermeneutik steht die Vermittlung von (dem Schüler) fehlendem Sachwissen im Vordergrund, in der romantischen Hermeneutik wird das Auslegen in die Rhetorik verwiesen und das Konzept des Wissens in die Dialektik. Versteht man diese Teildisziplinen als Einheit, ist in einer Transferwissenschaft sowohl die Generierung von Wissen (Dialektik), wie auch die Organisation und Vermittlung von (immer sprachlich verfasstem) Wissen (Rhetorik) und dessen Verständnis (Hermeneutik) aufgehoben.
Inhalt
1. Fachdidaktik als Wissenschaft
2. Wissensvermittlung im Kontext von Dialektik, Rhetorik und Hermeneutik
Literaturverzeichnis
Beate Laudenberg
Unter Berücksichtigung der Semantik der determinierenden Bausteine werden die Attribuierungen, die sich zur Beschreibung von Medialität, Lingualität und Kulturalität im Vermittlungsprozess bilden lassen, intradisziplinär dargestellt. Neben der kritischen Bestandsaufnahme der aktuellen fachdidaktischen Diskussion lässt ein Exkurs in die Biologiedidaktik die transdisziplinären Bezüge erkennen. Die Folgen einer unreflektierten Interdisziplinarität werden am Beispiel der Literaturdidaktik aufgezeigt, um abschließend eine transkulturell ausgerichtete (Literatur-) Didaktik in ihren Grundzügen zur Diskussion zu stellen.
Inhalt
1. Transdisziplinäre Bausteine
2. Deutschdidaktik: monomedial, multimedial, intermedial, transmedial –
symmedial
3. Deutschdidaktik: monolingual, multilingual, interlingual, translingual
4. Biologiedidaktik - ein Exkurs
5. Deutschdidaktik: monokulturell, multikulturell, interkulturell, transkulturell
6. Transkulturelle (Literatur-) Didaktik
Literaturverzeichnis
Michael Baum
Die fachdidaktische Forschung innerhalb der Philologien sieht sich vor die Aufgabe gestellt, die Reflexion auf die Gegenstände (Sprache und Literatur) mit der Analyse der „Lebenswirklichkeit“ von Lernenden zu vermitteln. Dieses Unterfangen birgt – naturgemäß – das Risiko, entweder die Gegenstände zu instrumentalisieren oder aber diese absolut zu setzen und damit die Frage nach dem Sinn und Zweck des Lernens aus dem Auge zu verlieren. Die Rezeption der semiotischen Kulturtheorie Yuri M. Lotmans ermöglicht eine integrative Analyse von sprachlich-literarischer Kultur im engeren und übergreifender Medienkultur im weiteren Sinne. Die Schnittstelle bilden die vielfach miteinander im Zusammenhang stehenden Schrift-Bild-Relationen beider Bereiche. Hinzu kommt die historische Dimension. Die „Semiosphäre“ kann nur funktionieren, weil sie auf ein „Gedächtnis“ zurückgreifen kann. Dies zu berücksichtigen erscheint notwendig angesichts eines fachdidaktischen Diskurses, der die diachrone Perspektive zunehmend marginalisiert (hat).
Inhalt
1. Vorspiel. Schrift, Bild und Gedächtnis im journalistischen Diskurs
2. Auf der Suche nach einem fachdidaktischen Kultur-Begriff
3. Semiosphäre
4. Bildhaftigkeit – fachdidaktisch und kulturtheoretisch
5. Das kulturelle Gedächtnis (Assmann)
6. Nachspiel: Kafkas Verwandlung
Literaturverzeichnis
Barbara Stein
Zum aktuellen Verständnis der Fremdsprachendidaktik trägt neben Analysen des instrumentellen Potentials von Bildern und ihrer unterrichtspraktischen Einsatzmöglichkeiten z.B. als Sprechanlass, als Semantisierungs- und Verstehenshilfe, als Gedächtnisstütze, als Grundlage für grammatische Übungen oder für interkulturelles Lernen, auch der Diskussionsaustausch mit Forschungsparadigmen von Bezugsdisziplinen bei. Im Folgenden soll beispielhaft auf einige Fragestellungen theoretischer Bezugsfelder zum Thema Bildwahrnehmung verwiesen werden, die der Fremdsprachendidaktik besondere Sichtweisen und Blickwinkel eröffnen können.
Inhalt
1. Bezugsdisziplinen: Kulturgeschichte, Philosophie
2. Bezugsdisziplin: Semiotik
3. Bezugsdisziplin: Linguistik
4. Bezugsdisziplin: Physiologie und Psychologie
5. Aufgaben der Fremdsprachendidaktik
Literaturverzeichnis
Detlev Gohrbandt
Urteilsbildung findet in Prozessen der visuellen Wahrnehmung und narrativen Reflexion statt, die in der Mitteilung sprachliche Form annimmt. Diese Sprachlichkeit des Urteilens wird gelernt und sollte folglich auch gelehrt werden, umso mehr als Urteile einer ständigen Revision unterliegen. Menschen machen andere Menschen und ihre Handlungen zu bevorzugten Gegenständen des Urteilens, um sich und die Welt besser zu verstehen und um sich in ihr orientieren zu können. Dabei entstehen verschiedene Formen des mündlichen und schriftlichen Erzählens, die Zuhörern wie Lesern Gelegenheit zum verbalen Respons geben. Diese Überlegungen werden an einer Erzählung von Muriel Spark in vier Punkten ausgeführt: Das erzählende Beobachten einer fremden Welt; der Zusammenhang von Sehen und urteilendem Sprechen; das Erzählen als Sprechanlass und Sprachmodell im Fremdsprachenunterricht; das ethische Textgespräch.
Inhalt
1. Einleitung
2. Über Charaktere urteilen
3. Hinschauen und beurteilen
4. Urteile lesen und besprechen: ethische Diskursfähigkeit
5. Schlussbemerkung zum moralischen Erzählen
Literaturverzeichnis
Isabelle Mordellet-Roggenbuck
Der erste Teil dieses Artikels widmet sich einer Bestandsaufnahme des Französischunterrichts in den deutschen Schulen sowie der Attraktivität des Französischlernens. Motive, warum Französisch als Lernsprache seine besondere historische Stellung im deutschen Schulsystem verloren hat, werden genannt und kurz erläutert. Im zweiten Teil wird gezeigt, welche neue Entwicklungen in der Fremdsprachenpolitik, -didaktik und -methodik sowie in der Fremdsprachenforschung auf europäischer Ebene Anlass zu einer Neuorientierung des Französischunterrichts geben könnten. Danach wird im dritten Teil die von der Autorin beobachtete neuere Entwicklung von einer Didaktik der Sprachen zu einer sprachenübergreifenden Fremdsprachendidaktik dargestellt und dann das Konzept der Mehrsprachigkeitsdidaktik in seinen theoretischen Grundlagen dargelegt. Letztendlich wird dafür plädiert, dass das Französische die Basis für das spätere Erlernen einer oder weiterer romanischer Sprachen bilden sollte und zur Diskussion gestellt, inwieweit die EuroComRom-Methode im schulischen Französischunterricht eingesetzt werden könnte.
Inhalt
1. Zur Situation des Französischunterrichts in den deutschen Schulen
1.1. Französischunterricht an den Grundschulen
1.2. Französischunterricht an den weiterführenden Schulen
1.3. Attraktivität des Französischlernens / des Französischunterrichts
2. Neue Entwicklungen in der Sprachpolitik und Methodik
2.1. Sprachpolitik
2.2. Methodik
3. Mehrsprachigkeitsdidaktik: Begriffsklärung und theoretischer
Rahmen
3.1. Didaktik der Sprachen / Fremdsprachendidaktiken
3.2. Mehrsprachigkeit
3.3. Mehrsprachigkeitsdidaktik
3.3.1. Allgemeine Prinzipien
3.3.2. Theoretische Grundlagen der Mehrsprachigkeitsdidaktik
4. Französischunterricht und Mehrsprachigkeitsdidaktik
4.1. Allgemeine Überlegungen
4.2. Die EuroComRom-Methode im schulischen Französischunterricht?
Literaturverzeichnis
Heinz-Helmut Lüger
Der Fremdsprachenfrüherwerb ist seit längerem ein fester Bestandteil schulischer Unterrichtsangebote. Doch hält die Realität in jedem Fall, was sprachpolitische Erwartungen und Slogans versprechen? Steht der Aufwand in einem richtigen Verhältnis zum Erfolg? Was ist insbesondere von dem in Rheinland-Pfalz propagierten Konzept der ,integrierten Fremdsprachenarbeit’ zu halten? Versucht wird eine Bestandsaufnahme, die die zentralen fachdidaktischen und spracherwerbstheoretischen Fragen, Probleme und auch Chancen diskutiert. Die Ausführungen orientieren sich vor allem an der Vermittlung des Französischen.
Inhalt
1. Erhöhter Fremdsprachenbedarf – eine politische Leerformel?
2. Fremdsprachenarbeit vs. Fremdsprachenunterricht?
3. Welche Ziele, welche Progression, welcher Ertrag?
4. Ist der gewählte Zeitpunkt optimal?
5. Mit welcher Sprache beginnen?
6. Ist die Lehrerausbildung ausreichend?
7. Welche Schlußfolgerungen ergeben sich?
Literaturverzeichnis
Snježana Žuljević
Der Artikel befasst sich mit dem Problem der Benutzung von Schulwörterbüchern im Deutschunterricht. Nach der Darstellung einer früheren Diskussion über die Konzeption von Schulwörterbüchern und die schulische Wörterbucharbeit und nach einigen Bemerkungen zum aktuellen Zustand in diesem Bereich werden eigene Überlegungen über die Möglichkeit zur Verbesserung der Wörterbuchbenutzung in der Schule präsentiert.
Inhalt
1. Kritik an Schulwörterbüchern und an der Wörterbuchdidaktik
1.1. Problem: Es gibt keine Wörterbuchkultur in Deutschland
1.2. Ursachen des Problems: Schulwörterbücher und schulische Wörterbucharbeit
1.3. Lösung des Problems: Schulwörterbuch als Lese- und Arbeitsbuch
2. Der aktuelle Zustand oder neue Wörterbücher, alte Probleme
3. Wörterbuchbenutzungsforschung und schulische Wörterbucharbeit
4. Schlussfolgerungen
Literaturverzeichnis
Gabriel Ptok
Der Beitrag skizziert, vor dem Hintergrund alltäglichen Handlungsdrucks in den Schulen, die Grundlinien einer allgemeinen Gesprächsdidaktik. Die Perspektive ist vorwiegend unterrichtspraktisch. Das heißt: Es werden Lösungen für kommunikative Konflikte angeboten. Die Zielgröße lässt sich mit dem Begriff der Gesprächsfähigkeit angeben, worunter zu verstehen ist, eine Kompetenz zur Teilhabe und aktiven Mitarbeit an gelingenden Gesprächen. Am Ende steht ein Katalog von Methoden zur Steuerung erfolgreicher, mündlicher Kommunikation.
Inhalt
1. Einleitung
2. Grundlinien einer allgemeinen Gesprächsdidaktik
3. Historischer Exkurs
4. Schluss
5. Katalog zur Gesprächsmethodik
Literaturverzeichnis