Isabelle Bourgeois
Selbstverständnis und Berufsfeld der Journalisten haben sich in Frankreich und Deutschland historisch unterschiedlich herausgebildet. Sucht auch heute der Journalist in Frankreich die Nähe zum Schriftsteller, während er sich in Deutschland bevorzugt neben den soliden Handwerker stellt? Dahin trieb bisher eine jeweils unterschiedlich gestaltete Ausbildung die angehenden Journalisten in beiden Ländern. Heute nähert sich die schwierige Situation der Berufseinsteiger einander an. Medienwandel, schlechte Konjunktur und sinkende Werbeeinnahmen führen auf beiden Seiten des Rheins zu starken Umstrukturierungen. Entsprechend verändern sich Formate sowie Schwerpunktsetzung der Berichterstattung. Der Auftrag der Journalisten, nämlich den Bürger zu informieren, steht in diesem Prozess vor einer neuen Herausforderung.
Inhalt
| 1. | Journalistisches Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich |
| 1.1. | Motive der Berufswahl |
| 1.2. | Ausbildungssituation der Journalisten |
| 2. | Ökonomische Veränderung der Medienbranche |
| 2.1. | Produktionsbedingungen |
| 2.2. | Neustrukturierung |
| 3. | Zeitungsländer, Rundfunkländer |
| Literaturverzeichnis |
Irene Preisinger
Wie Journalisten ihre Rolle definieren, hängt vom individuellen Berufsverständnis ab und auch von nationalen Besonderheiten. In Demokratien wie Frankreich und Deutschland gilt Information, der Austausch zwischen politischer Führung und Öffentlichkeit, als Basisaufgabe. Aber die Medienmacher links und rechts des Rheins betonen dabei unterschiedliche Aspekte, etwa bei den Themen Objektivität oder Recherche. Der folgende Aufsatz wirft Schlaglichter auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Rollenbild politischer Journalisten der beiden Länder.
Inhalt
1. Einleitung
2. Sozio-demographischer Vergleich
3. Ergebnisse der Befragung
3.1. Objektivitätsnorm
3.2. Berufs- und Rollenverständnis
3.3. (Investigative) Recherchemethoden
Literaturverzeichnis
Heinz-Helmut Lüger / Patrick Schäfer
Um die Situation der Tagespresse ist es bekanntlich nicht gut bestellt. Das gilt ebenfalls für die Regionalpresse. Angesichts einer solchen Ausgangslage wurden immer wieder Maßnahmen ergriffen, um den veränderten Bedingungen besser gerecht zu werden. Dieser Zusammenhang soll hier exemplarisch anhand zweier Regionalzeitungen (L’Alsace, Die Rheinpfalz) näher beleuchtet werden. Dabei geht es zunächst um ökonomische und publizistische Hintergründe (Kap. 1) sowie um Anpassungsmöglichkeiten bei der Gestaltung des Informationsangebots (Kap. 2). Ausführlicher kommen sodann Verfahren der Textoptimierung (Kap. 3) und die Schaffung von Identifikationsangeboten (Kap. 4) zur Sprache.
Inhalt
1. Die Zeitung und ihre Leser
2. Informationsangebot und -präsentation
3. Verfahren der Textoptimierung
3.1. Erleichterte Informationsentnahme
3.2. Lektüreanreiz und Unterhaltungsangebote
4. Identifikationsangebote
4.1. Identifikation und ,Nähe’
4.2. Verfahren der Nähekommunikation
4.3. Identifikationsangebote im Text
5. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Ernst Ulrich Große
Der folgende Beitrag gibt an diversen Beispielen einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Internationalisierung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf deutschen und französischen Presseverlagen. Zuerst behandelt der Beitrag die Gründe und die Strategien der internationalen Ausbreitung von Zeitschriftentiteln und stellt dann zwei hierin besonders erfolgreiche Verlagshäuser mit Gruner+Jahr bzw. Hachette vor. Die jeweils notwendige Anpassung an die Kultur des anderen Landes wird an deutschen und französischen Titelblättern des Wirtschaftsmagazins Capital erläutert. Abschließend geht der Beitrag die Frage nach, ob sich ähnliche Internationalisierungstendenzen wie bei den Publikumszeitschriften in der Tagespresse entdecken lassen. Die großen Wirtschaftszeitungen, die Zeitung International Herald Tribune sowie die Expansion deutscher Presseverlage nach Osteuropa stellen hier die wichtigsten Phänomene dar.
Inhalt
1. Einleitung
2. Strategien der Internationalisierung
3. Drei Thesen
3.1. Ständig fortschreitende Internationalisierung
3.2. Signifikante deutsch-französische Unterschiede
3.3. Tagespresse: Wirtschaftszeitungen und Regionalzeitungen
als
Vorreiter
4. Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis
Michel Mathien
In einem Umfeld kulturellen und wirtschaftlichen Wandels verändert sich auch die Medienlandschaft. Presse, Rundfunk und Fernsehen tragen durch ihr Marktverhalten wesentlich zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Medienbereich bei – auch auf die Gefahr hin, selbst ein Opfer der von ihnen in Gang gesetzten Entwicklungen zu werden. Trotz des hohen Stellenwertes von Rundfunk und Fernsehens, spielt die Tagespresse in Frankreich nach wie vor eine wichtige und aktive Rolle bei der Vermittlung tagesaktueller Informationen. Dabei tritt sie zunehmend in Konkurrenz mit der Fachpresse, die sich auf die Berichterstattung über bestimmte Themenbereiche spezialisiert hat.
Inhalt
1. Aktuelle wirtschaftliche Lage
1.1. Vielfalt auf dem Pressemarkt
1.2. Konzentrationstendenzen
2. Die Presserezeption
2.1. Attraktivität der Zeitschriften und Magazine
2.2. Druckauflage, Verkaufsauflage und Remittenden
2.3. Nationale Presse
2.4. Regionale Presse
3. Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten
3.1. Wirtschaftliche Zwänge
3.2. Werbeabhängigkeit
3.3. Staatliche Förderung
4. Fazit
Literaturverzeichnis
Rudolph Meyer
In den letzten Jahren hat die gesamte Medienlandschaft in Europa eine rasante Entwicklung genommen. Unternehmen haben sich explosionsartig vergrößert und mussten wenig später einen Insolvenzantrag stellen. In folgendem Artikel sollen zwei Medienunternehmen, die Kirch-Gruppe und Vivendi Universal, vor dem Hintergrund der digitalen Fernsehlandschaft in Deutschland und Frankreich kurz skizziert werden. Der zweite Teil gibt einen Überblick über aktuelle Probleme der Fernsehkabelnetze, den wichtigsten Verbreitungsweg in Deutschland. Der dritte Teil beschäftigt sich schließlich mit der Entwicklung und den Perspektiven des digitalen Fernsehens.
Inhalt
1. Aufstieg und Fall zweier Medienunternehmen: Kirch-Gruppe und Vivendi Universal
2. Aktuelle Probleme der Fernsehkabelnetze
3. Entwicklung und Perspektiven des digitalen Fernsehens
Literaturverzeichnis
Monika Haberer
« Le Minitel garde la forme malgré ses 20 ans! » – so titelte das Online-Magazin NetEconomie.com anlässlich des 20. Jahrestages der Einführung des Minitel in Frankreich im Februar 2003 (Beky 2003). Nachdem sich im Jahre 1997 in Frankreich eine medientechnologische Wende angekündigt hatte, die durch einen verstärkten Einstieg in die globale Internetgemeinschaft die Popularität des Minitels erheblich zu schwächen schien, berichtete die französische Presse seit Anfang des Jahres 2001 von einem erneuten Aufschwung des einstigen Vorzeigeobjekts französischer Kommunikationstechnologie: « Papy Minitel fait de la résistance. » (Piriou 2001)
Inhalt
| 1. | Einführung |
| 2. | Die Modernisierung des Telekommunikationssektors und der Erfolg des Minitel |
| 3. | Das Ende des Erfolgskurses und die Neuorientierung auf dem Markt |
| 4. | Frankreichs verzögerter Einstieg ins Internetzeitalter |
| 5. | Die neuen Herausforderungen |
| 6. | Schlussbemerkung |
| Literaturverzeichnis |
Torsten Liesegang
Begleitet von jahrelangen polemischen Debatten um die Frage, ob von den Neuen Medien grundlegende Neuerungen im Rahmen der Literatur zu erwarten sind und ob diese zu einer Bereicherung oder Verarmung von Sprache führen, hat sich eine „digitale Literatur“ etablieren können, welche die technischen Potenziale der Neuen Medien für die Literatur zu nutzen versucht. Wesentlich populärer als dieses experimentelle Feld ist allerdings die Nutzung von Computer und Internet bei der Veröffentlichung und Diskussion traditioneller literarischer Formen. Nicht zuletzt haben die Neuen Medien auch das Verlagswesen und die Produktionsverfahren des Buchdrucks seit den siebziger Jahren tiefgreifend verändert.
Inhalt
| 1. | Zukunft der Literatur? |
| 2. | Text und Automat – eine alte Geschichte |
| 3. | Eine Typologie digitaler Literatur |
| 4. | Das Lesen des Hypertextes |
| 5. | Internet, Literatur und die Theorie der Postmoderne |
| 6. | Ende der Gutenberg-Galaxis? Neue Verlagsstrategien und Publika-tionsmöglichkeiten |
| Literaturverzeichnis |
Nathalie Hillenweck
Die exception culturelle, die kulturelle Ausnahme ist ein Begriff, ein Prinzip, das in den letzten zehn Jahren immer wieder neue Diskussionen entfacht hat. Er bezeichnet die Tatsache, dass Kulturgüter – vor allem Kino- und Fernsehfilme – nicht wie gewöhnliche Waren den Regeln der Liberalisierung des Handels unterliegen, da sie kulturelle Werte vermitteln und Identität stiften. Der von Frankreich geprägte Begriff spiegelt teilweise das nationale Selbstverständnis wider, er wurzelt sowohl im Konflikt beladenen französisch-amerikanischen Verhältnis wie in der vorherrschenden Rolle des französischen Staates in der Kulturpolitik. In den letzten Jahren wurde der Begriff exception culturelle zunehmend durch den Begriff diversité culturelle ersetzt. Damit stellt sich die Frage nach dem Bedeutungswandel des Ausdrucks.
Inhalt
| 1. | Vorbemerkungen |
| 2. | Kulturelle Globalisierung, Kulturindustrie, Kulturgüter |
| 3. | Hintergründe der kulturellen Ausnahme |
| 3.1. | Französisch-amerikanischer Konkurrenz-(Kultur-?)kampf |
| 3.2. | Die Rolle des Staates |
| 3.3. | Film und Fernsehen: Die wichtigsten Anwendungsgebiete der kulturellen Ausnahme |
| 4. | Von der kulturellen Ausnahme zur kulturellen Vielfalt |
| 4.1. | Ein zwiespältiger Begriff? |
| 4.2. | Eine französische Auffassung der kulturellen Vielfalt? |
| Literaturverzeichnis |
Andreas Osterhaus
Rund zwei Drittel der in den verschiedensten Medien verbreiteten Nachrichten werden von Agenturen geliefert. Zeitungen und elektronische Medien, denen für eigene Recherchen das Personal fehlt, bedienen sich bei den Meldungen, die von den Nachrichtenagenturen im Sekundentakt in Umlauf gebracht werden. Ein Agentur-Journalist steht unter permanentem Zeitdruck. Er muss Informationen zu einer pointierten Kernaussage (Lead) komprimieren, dabei eine neutrale Haltung bewahren und die Überprüfbarkeit des Nachrichtengehalts gewährleisten. Der Imperativ der Verknappung und die starke Konkurrenz unter den Agenturen haben zur Folge, dass sich durch die ganze Arbeit der Hang zum Superlativ zieht.
Inhalt
| 1. | Einführung |
| 2. | Alltag einer Nachrichtenagentur |
| 3. | Arbeitsweisen |
| 4. | Zur Entstehung der Agenturen |
| 5. | Vielgestaltigkeit der Klientel und neue Trends |
| 6. | Der Hang zum Spektakulären |
Tobias Gerlach
Seit seiner Gründung im Jahre 1990 hat sich der Kulturkanal ARTE vom deutsch-französischen Bastard zum europäischen Vorzeigeobjekt gemausert. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner komplexen binationalen Struktur und unterschiedlichen Sehgewohnheiten beiderseits des Rheins hat ARTE einen eigenwilligen, etwas anderen Stil geprägt, der auch in anderen europäischen Ländern Interesse geweckt hat. Die Weiterentwicklung des Senders zu einer europäischen Anstalt wird bereits diskutiert.
Inhalt
| 1. | ARTE – das „Kind der Politik“ ist erwachsen geworden |
| 2. | Die Herausforderung: ein Programm für zwei Länder |
| 3. | Europäisch leben, europäisch fernsehen |
| 4. | ARTE – das etwas andere Programm |
| 5. | ARTE – mehr als nur ein Programm |
| 6. | Der europäische Ausbau von ARTE: Vision oder Illusion? |
| Literaturverzeichnis |
Gérard Foussier
Ein europäisches Radio kann als wichtiger Beitrag zur Verständigung in Europa angesehen werden, aber die Bedeutung des Hörfunks wird im Vergleich zu anderen Medien häufig unterschätzt. Doch gerade in diesem Bereich bestehen schon innovative Kooperationen: So arbeiten Deutsche Welle, Radio France Internationale und BBC-World zusammen, ein weiteres Dutzend europäischer Rundfunkanstalten hat sich angeschlossen. Und dabei ist festzustellen, dass die Entwicklung der deutsch-französischen Hörfunkkooperation dem Projekt einer Verbesserung des europäischen Informationsflusses grundlegend förderlich ist.
Inhalt
| 1. | Einleitung |
| 2. | Die Unterbewertung des Hörfunk in der deutsch-französischen Öffentlichkeit |
| 2.1. | Deutsche Welle und Radio France Internationale als Keimzelle eines europäischen Hörfunks |
| 2.2. | Informationsdefizite |
| 3. | Perspektiven einer Hörfunkfrequenz für Europa |
Dagmar Gilcher
Die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch eine Medienkrise von nie gekanntem Ausmaß. Insbesondere auf der deutschen und der schweizerischen Seite blieben davon auch die regionalen Medien nicht verschont. Mehr als je zuvor wurden Journalisten und Redakteure von Tageszeitungen mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Verlag vor allem auch ein privates Wirtschaftsunternehmen darstellt. Der dramatische Rückgang der Umsätze im Anzeigengeschäft führte nicht selten zu Personalabbau wie Reduzierung beziehungsweise Umorientierung des inhaltlichen Angebots. Die Berichterstattung über das Geschehen in der Nachbarregion blieb davon nicht ausgeschlossen. Dennoch sollte mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft geblickt werden. Neben einigen ehrgeizigen Projekten, denen kein dauerhafter Erfolg beschieden war, gibt es immer wieder neue Ideen. Das Zusammenwachsen Europas an der Grenzregion am Oberrhein betrifft mit oder gerade wegen all seinen Konflikten mehr und mehr den Alltag der Bewohner und kann gerade deswegen auch von den hier arbeitenden Journalisten nicht ignoriert werden – auch wenn zwischen Wunsch und Realität noch eine große Lücke klafft und der mitunter recht banale Arbeitsalltag allzu großen Idealismus schnell bremst.
Inhalt
| 1. | Die Anfänge |
| 2. | Grenzüberschreitende Vorhaben |
| 2.1. | Unterschiedliche Ausgangsbedingungen |
| 2.2. | Das Beispiel „Über die Grenzen“ der Rheinpfalz – Chancen und Risiken |
| 2.3. | IPI und AJT: Zusammenarbeit von Journalisten – Wunsch und Realität |