Vorwort

Was wäre Europa ohne Grenzen?

Albert Raasch

Dieser Titel ist bewusst mehrdeutig formuliert. Anlass dafür ist die aktuelle Europa-Diskussion um Erweiterung und Verfassung: Das Engagement für das Zusammenwachsen Europas sei bislang ausschließlich Sache von Eliten gewesen; die europäische Einheitswährung habe eine Welle der Teuerung ausgelöst; „Billigarbeiter“ aus neuen Beitrittsländern sorgen für Lohndumping; die Erweiterung der EU sei viel zu schnell vonstatten gegangen; sie sei noch lange nicht verkraftet, und schon werde eine weitere Öffnung bis hin zur Türkei angestrebt; die überregionalen, „zentralistischen“ Strukturen Euro­pas seien viel zu weit weg von den Sorgen und Problemen der Menschen in den Nationalstaaten; die Politiker haben die Menschen auf diesem Weg nicht „mitgenommen“; die Globalisierung, die die Menschen in ihrem Lebensgefühl und ihrer Lebensplanung zutiefst verunsichere, sei die Folge des europäischen Zusammenschlusses, dessen Symbol, das Gesetz über die europäische Verfassung, daher beinahe schon unabhängig von seinem tatsächlichen Inhalt abzustrafen sei. Es lässt sich also zusammenfassen:

·   Die Erweiterung der EU hat im Verständnis vieler Menschen in Europa das Maß des derzeit Machbaren aus dem Auge verloren und die Grenzen der Überschaubarkeit überschritten.

·   Die „gefühlte“ Grenzenlosigkeit der europäischen Erweiterung führt aus Furcht vor dieser Überdimensionalität die Menschen zurück zum Denken (und auch Fühlen) in überkommenen, „gesicherten“ nationalen Entitäten, deren noch existierende Grenzen wie in früheren Zeiten als Schutzwall empfunden werden.

·   Die in den letzten 15 Jahren eilends vorangetriebene politische und wirtschaftliche Entwicklung eines „einheitlichen“ Europa ließ das notwendige gleichzeitige soziokulturelle Zusammenwachsen hinter sich zurück, so dass ein „Wir“-Gefühl, also eine neue europäische Identität mit ihren größeren Dimensionen keine Chance zum Entstehen hatte. Europa erscheint vielfach als ein diffuses Gebilde, das durch die politische Klasse nicht oder nicht hinreichend klar definiert, d.h., „begrenzt“ wird. Die Menschen suchen nach diesen Grenzen, finden sie aber nicht in der politischen Landschaft, daher das Ausweichen oder auch Zurückweichen auf die erwähnten „begrenzten“ nationalen und regionalen Entitäten.

·       Durch diese aktuelle Entwicklung werden unvermutet neue Grenzen ungeplant oder auch „planlos“ gezogen: zwischen den europaaktiven Politikern und den an diesen Aktivitäten nicht beteiligten, zumeist aber mehrheitlich europhilen Bevölkerungen; zwi­schen Ländern, die seinerzeit die Anfänge der europäischen Zu­sammenarbeit konzipiert und gestaltet haben, und neuen Beitrittsländern, die sich ihr Recht auf Gleichberechtigung erkämpfen oder bestätigen lassen wollen; Grenzen aber auch zwischen den Ländern, in den die Bevölkerung votieren darf, und solchen, die keine Referenden an der Basis durchführen.

Das Lebensgefühl in den Grenzregionen ist jedoch nicht unmittelbar gekoppelt an die tiefgreifenden Entwicklungen in der Europapolitik auf nationaler und transnationaler Ebene. Die tatsächlichen Chancen und Probleme überschneiden sich nur teilweise mit den Visionen und Auseinandersetzungen der hauptstädtischen Eliten. Regionen, und damit auch Grenzregionen, weisen überschaubare Dimen­sionen auf und kommen daher dem Wunsch oder auch der Sehnsucht nach einer gewissen Geborgenheit entgegen, die das große Europa und die große Europa-Politik vermissen lassen. In welchem Maße dieses Bedürfnis in den Grenzregionen durch die Region innerhalb der eigenen Landesgrenzen bereits gestillt wird und wie es sich auf die grenzüberschreitenden Teile ausdehnen lässt ist nicht ausgemacht. Die Leistungen, die quer durch alle Gruppierungen in Grenzregionen erarbeitet wurden und werden, stoßen in der Öffentlichkeit dieser Gebiete jedenfalls auf Interesse und Anerkennung. Fachleute können jedoch auch vielerorts eine gewisse Stagnation in der Ausschöpfung der Kooperationspotenziale erkennen, die dem anfänglichen Enthusiasmus nach der Schaffung neuer rechtlicher und finanzieller Instrumente in den 1990er Jahren gefolgt ist. Eine wichtige Frage ist also, in welchem Ausmaß und in welcher Art die neu geschaffenen Möglichkeiten in den Grenzregionen tatsächlich ausgeschöpft werden.

Unbestritten ist: Wenn man für das weitere Zusammenwachsen Europas etwas tun will, dann kann man es in Nachbarregionen kennen lernen und einüben. Auf Grund dieser wichtigen Funktion von Grenzregionen ist es zu begrüßen, dass diese international orien­tierte Dokumentation erscheint und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Es könnte hilfreich sein, aus dem Kontext der vorliegenden Beiträge sowie der aktuellen Diskussion heraus hier einige Aspekte aufzugreifen, die die Besonderheiten der Grenzregionen aufscheinen lassen, die an ausgewählte Leistungen erinnern oder auch anstehende Aufgaben formulieren oder schließlich die Unterschiedlichkeiten von Grenzregionen und damit die Schwierigkeiten der Übertragung von Erfahrungen und Einsichten auf andere Regionen sichtbar machen.

Es wäre im Sinne des eingangs Gesagten, wenn Grenzregionen nicht nur zum Schauplatz gelingender Kooperation in Europa werden, sondern wenn sie darüber hinaus Identität stiften. Identität benötigt soziale Kohäsion, Identität braucht eine Verknüpfung von historischer Bewusstheit mit zukunftsorientierter Vision. In Grenzregio­nen kann man dieses Wir-Gefühl schaffen und pflegen.

Grenzregionen werden nicht mehr generell als peripher angesehen; sie schaffen es offensichtlich zunehmend, partnerschaftlich mit den Zentren zu verhandeln und aufzutreten. Gleichwohl muss man in der breiten Öffentlichkeit mehr als bisher zur Kenntnis nehmen, dass die Grenzregionen eine Aufgabe für das Gemeinwohl erfüllen und dass sie dafür immer von Neuem die notwendige Akzeptanz und Unterstützung einfordern müssen. Dieses Spiel zwischen den inneren Zentren und den Außenregionen muss den Charakter einer Balance erwerben, wenn es gelingen soll, die europäische Identität von unten her (statt von oben) auf den Weg zu bringen.

Wenn es im Innern eines Landes an Verständnis für die Situation an Grenzen und mit Nachbarn mangeln sollte, dann sollte man daran erinnern, dass kein europäisches Land interne Homogenität aufweist. Überall gibt es Grenzen auch im Innern: kulturelle, religiöse, wirtschaftliche, politische Grenzen zwischen Ethnien, sozialen Gruppen, Bildungsschichten, regionalen / historischen Diversitäten. Konfliktbewältigung, nachbarschaftliches Zusammenleben, Kooperation: Hierfür sind Kompetenzen nötig, die überall in der Gesellschaft, in Betrieben wie in Schulen, in Vereinigungen wie in der Nachbarschaft benötigt und verwendet werden, und eben nicht nur in Grenzregionen. Insofern sind alle Menschen in einem Land Grenzbewohner. Die Lösung dieser Aufgaben gehört in den Vertrag, den Individuen und Staat überall und generell in einer Gesellschaft miteinander schließen.

Das aktuelle Problem Europas besteht darin, dass ein solcher Vertrag zwischen Individuen und der Institution, die „Europa“ heißt, noch nicht geschlossen wurde. Das hat offensichtlich zwei Gründe, die mit einem einzigen Terminus zusammengehalten werden: Distanz. „Brüssel ist weit weg, viel zu weit“: so hört und liest man es immer wieder. Und damit meint man zweierlei: nämlich die horizontale Distanz nach Brüssel, aber auch die vertikale Distanz nach „oben“. Grenzregion und nationale Zentrale auf gleiche Augenhöhe wachsen (bzw. schrumpfen) lassen, als Einübung in die verlängerte Perspektive „Brüssel“. Ob man die gleichberechtigte Partnerschaft auf gleicher Höhe als Metapher wählt oder ob man die Struktur bildlich so darstellt, dass die Menschen über die regionale Nachbarschaft ohne Probleme „aufsteigen“ können zu der nationalen Dimension und dann weiter zu der supranationalen Ebene: wenn dies letztere Procedere ein angstfreies, zukunftsfrohes va-et-vient ist, dann entsteht daraus ein gestuftes Identitätsgefühl, das die einzelnen Etappen ebenso betrifft wie das verknüpfte Ganze. Die aktuellen Voten müssen also kein Zurückfallen in ein überwunden gedachtes regionales Denken bedeuten, sondern sie können im Gegenteil einen vernünftigen Schritt zu einem bottom-up-konzipierten neuen An­lauf bilden.

Es ist zu wünschen, dass die im Folgenden abgedruckten Bei­träge nicht nur die Besonderheiten der geschilderten Situationen sichtbar machen, also etwa die historisch begründeten Perspektivwechsel zwischen Nord und Süd in Dänemark, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Öffnung des Eisernen Vorhangs und dann noch einmal des EU-Beitritts für die polnische Nachbarregion zu Brandenburg, die komplizierte ethnisch-sprachlich-kulturell-politische Situation der baskischen Regionen, die vertrackte politicolinguistische Geschichte des Elsass. Wenn diese Situationen auch extrem unterschiedlich sind, so kann man aber auch Wege entdecken, die auch andernorts gangbar sind und zur Identitätsfindung führen, etwa in dem Sinne europäischer kultureller Vergangenheit des Engage­ments für das Lösen von Problemen, z.B. durch Austauschpädagogik, durch grenzüberschreitende Ausbildung, durch Strategien aus anderen, als „Kontextwissenschaften“ zu bezeichnenden Disziplinen, wie Anthropologie oder Mediation, und natürlich durch Weiterentwicklung von kulturellen, interkulturellen, sprachlichen und didakti­schen Kompetenzen.

Dieser Band zeigt nicht nur Wege zur regional-national-euro­päischen Identitätsfindung, sondern er trägt selbst zu einer solchen Identitätsfindung bei.


 

Wirtschaftliche und soziokulturelle Probleme der polnisch-deutschen Grenzregion

Zbigniew Kurcz

Die einführenden Überlegungen beschäftigen sich mit der Definition des Begriffs „Euroregion“ aus soziologischer Sicht. Der Autor geht von der Annahme aus, dass die polnisch-deutsche Grenzregion zur Zeit zwar im administrativ-politischen, aber nicht im sozialkulturellen Sinne existiert. Im nächsten Schritt werden die Entwicklungsprogramme in dieser Grenzregion und ihre Verwirklichung geschildert. Eine besondere Aufmerksamkeit wird den ökonomischen und sozialen Folgen der Grenzöffnung gewidmet, in deren Zuge sowohl positive ökonomische und gesellschaftliche Erscheinungen als auch zahlreiche Pathologien zum Vorschein kamen. Letztere gehen hauptsächlich auf die Preisunterschiede auf beiden Grenzseiten zurück. Im Fazit wird festgestellt, dass eine volle Partnerschaft in der Grenzregion erst nach der Nivellierung der ökonomischen Differenzen zwischen Deutschland und Polen möglich sein wird.

Inhalt

0.     Einführung

1.     Probleme bei der Bestimmung der Grenzregion

2.     Probleme wirtschaftlicher Entwicklungsprogramme

3.     Probleme soziokultureller Desintegration

4.     Ausblick

        Literaturverzeichnis

 


 

Geopolitik im Grenzraum.

Überlegungen zur französisch-spanischen Grenze im Baskenland

Barbara Loyer

Die Verhältnisse am Westrand der Pyrenäenkette sind äußerst verwickelt, nicht nur weil die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Spanien das Baskenland durchschneidet, sondern auch weil der Landstrich beiderseits der Pyrenäen in verschiedenen Gebietskörperschaften organisiert ist. Deren erklärtes Ziel ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Es ist nötig, sich einige wesentliche Eigenheiten dieser Gebiete zu vergegenwärtigen, um zu verstehen, warum die zwischen ihnen vereinbarte Kooperation durch politische und ideologische Motive, gelegentlich auch durch Rivalitäten geprägt ist.

Inhalt

1.     Grenzen im Baskenland

2.     Von Ideen und Ideologien ...

3.     ... zu Strukturen und Aktionen

4.     Von grenznachbarschaftlichen Beziehungen ...

5.     ... zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Europa
        Literaturverzeichnis

 


 

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Ambiguitäten beim Deutsch-Lernen im elsässischen Grenzgebiet

Dominique Huck

Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden der deutschen Standardsprache im Elsass ganz verschiedene Rollen zugewiesen. Sie stehen teilweise in unmittelbarem Zusammenhang mit den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Der vom Staat vertretene Standpunkt deckt sich dabei nicht unbedingt mit dem soziolinguistisch beschreibbaren Verhalten der Sprecher des Grenzgebietes. Die Sprach(en)politik des Staates im Bereich des Schulwesens wird nicht nur von den gesellschaftlichen und den allgemein-politischen Entwicklungen bedingt, sondern auch durch ein kom­plexes Zusammenspiel von Vorstellungen, Einstellungen und subjektiven Einschätzungen der deutschen Sprache. Der Stellenwert der deutschen Sprache im Elsass verändert sich deshalb ständig, weil viele Faktoren ihren Status mit modellieren.

Inhalt

0.     Einführung

1.     1919-1939:
        Deutsch – eine Sprache diesseits und jenseits der Staatsgrenze

2.     1945-2001

2.1.  1945-1972: Deutsch – eine verdächtige Sprache

2.2.  Seit 1982: Deutsch als französische Regionalsprache

2.3.   Deutsch (trotzdem) als Fremdsprache

        Literaturverzeichnis

 


 

Ein Grenzraum aus der Sicht von Immigranten.

Türkisch als „Lingua Franca“ am Oberrhein ?

Hartwig Scheinhardt

Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Islamische Unterweisung in der Oberrhein-Region“ berichtet einer der beiden deutschen Initiatoren über seine Erfahrungen beim Knüpfen erster Kontakte ins Elsass und ihrem Ausbau zu tragfähigen Beziehungen für die Informationsgewinnung, Materialerhebung und Zusammenarbeit. Die singulären Ereignisse bei der Entwicklung dieser grenzüberschreitenden Kooperation zwischen nicht-türkischen Forschern, die an türkischen Migranten interessiert sind, verweisen schrittweise auf allgemeinere Züge der spezifischen Wahrnehmung, Nutzung und Gestaltung des Grenzraums durch diese Einwanderergruppe. Deren Umgang mit sprachlichen, kulturellen und geografischen Grenzüberschreitungen scheint sich markant von dem der ursprünglichen Bevölkerung der Grenzregion abzuheben und sich mitunter als produktiver zu erweisen.

Inhalt

1.     Einführung

2.     Erste Kontakte in Straßburg

3.     Fachwissenschaftliche Beziehungen

4.     Ausweitung des Feldes – neue Erfahrung

5.     Moschee-Besuche

6.     Ausblick

        Literaturverzeichnis

 

 


 

Psychoanalytische Überlegungen zur Dynamik zwischen Individuum und Institution

Christina Gautheron

In diesem psychoanalytisch argumentierenden Beitrag wird das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft innerhalb und zwischen verschiedenen Kulturen betrachtet. Eine Kultur hat u.a. die Funktion, den Menschen Identität, Anerkennung und soziale Einbindung zu verschaffen, eine Funktion, die sie in den multikulturellen und transnationalen europäischen Gesellschaften nicht für alle ausreichend erfüllt. Die vervielfältigten Kontakte zwischen den Kulturen bergen auf dieser Grundlage besondere Konfliktpotentiale in sich. Es ist heute jedoch nicht mehr angemessen, bei den erstbesten emotionalen und gar tätlichen Reaktionen stehen zu bleiben. Gerade weil wir immer enger zusammenrücken, stellt sich die Frage, welche Lösungsansätze man ersinnen kann, um diese neuartigen Beziehungen zwischen den Völkern lebenswert und positiv gestalten können. In diesem Zusammenhang werden die Rolle und die Grenzen von Mediation und Bil­dung angesprochen.

Inhalt

0.     Einleitung

1.     Die „instituierende“ Funktion von Kulturen

2.     Sozialer Vertrag und Vertragsbruch

3.     Die Legende von der Unvereinbarkeit der Kulturen

4.     Kultur, Konflikt und Konfliktmanagement

5.     Möglichkeiten und Grenzen von Bildung

        Literaturverzeichnis

 

 


 

Die historische Verwurzelung von Vorurteilen.

Der weite Weg zu dänisch-deutschen Schülerbegegnungen

Tove Heidemann

Grenznahe Schülerbegegnungen sind ein besonders geeignetes Mittel zur Entwicklung von Kompetenzen, die in den zunehmend multikulturellen europäischen Gesellschaften notwendig sind. Am Beispiel des dänisch-deutschen Grenzgebietes, in dem nicht ökonomischen Ungleichgewichte sondern sprachliche und historische im Vordergrund stehen, dass die zögerliche Haltung, Schülerbegegnungen zwischen beiden Seiten zu etablieren, u.a. mit heute noch wirksamen nationalen Vorurteile zusammen hängt. Es werden sowohl historische Hintergründe für die dänischen Vorurteile gegenüber den Deutschen als auch für die angebliche transnationale skandinavische Identität angeführt, bevor auf didaktische und organisatorische Konsequenzen für den Schüleraustausch eingegangen wird.

Inhalt

1.     Einführung

2.     Nationale Vorurteile

3.     Didaktische Konsequenzen

 

 


 

Anspielungen und Kontexte in Deutschland und Frankreich

Thomas Rist

Das Verständnis einer Aussage überfordert des Öfteren Leser, Hörer, Betrachter, auch wenn sie über sehr gute Sprachkenntnisse verfügen, nämlich dann, wenn ihnen das notwendige Hintergrundwissen, das „Weltwissen“ fehlt. An Hand einiger Dokumente soll aufgezeigt werden, wie das „Weltwissen“ einer Kultur- und Sprachgemeinschaft sich von dem einer anderen, auch geografisch benachbarten unterscheidet.

Inhalt

0.     Einleitung oder: Hört denn das nie auf?

1.     Erster Erklärungsversuch

2.     Text 1

3.     Zweiter Erklärungsversuch

4.     Die Theorie Demorgons

5.     Anwendungsversuche

6.     Fazit

        Literaturverzeichnis

 

 


 

Deutsche und tschechische Lehrer im Grenzgebiet.

Eine vergleichende Analyse der Einstellungen zu ihrem Beruf

Oliver Holz / Petr Urbánek

Unsere Untersuchung befasst sich mit den Beziehungen im nördlichen Teil des tschechisch-deutschen Grenzgebietes, welches trotz einer Reihe geo­politischer Eingriffe in der Vergangenheit ein Gebiet langanhaltender Kontakte zwischen den beiden Völkern gewesen ist. Gerade Lehrerinnen und Lehrer eignen sich gut für einen solchen Vergleich, da sie gleichzeitig Träger und Repräsentanten nationaler Tradition und Erzieher der nachfolgenden Generation(en) sind. Die Ergebnisse zeigen die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen auf und bilden – so unsere These – allgemeine Unterschiede auf kulturellem, sozialem und ökonomischem Gebiet ab.

Inhalt

0.     Einführung

1.     Ziel der Befragung

2.     Methodik der Befragung

3.     Ergebnisse und Diskussion

3.1.   Übereinstimmende / ähnliche Aussagen

3.2.   Unterschiedliche Aussagen

4.     Schlussfolgerungen und Schlussbemerkungen

        Literaturverzeichnis

 

 


 

In der Tiefe des Leids.

Ein Beispiel für Konfliktmediation aus Ex-Jugoslavien

Thierry Dudreuilh

Die Konfrontation mit dem Unbekannten oder Anderen bringt uns häufig in Schwierigkeiten. Unbehagen kann sich in Konflikten, in Gewalt gegen Dinge und Menschen, manchmal auch gegen die eigene Person äußern. Nach neurobiologischen Erkenntnissen werden all diese Reaktionen durch unseren Überlebensinstinkt hervorgerufen, der Unbekanntes als physische oder symbolische, tatsächliche oder fiktive Lebensbedrohung interpretiert. Kon­flikte sind daher unvermeidlich, sie liegen in der Natur des Menschen. Man muss sie akzeptieren... und umwandeln. Mediation will Zeit und Raum dafür bieten, dem zugrunde liegenden Leid Ausdruck zu verleihen, dies jedoch nach gewissen Regeln, mit einer bestimmten Rhetorik, Dialektik, und sogar Poesie. Der Beitrag beschreibt ein Beispiel für Konfliktmediation zwischen Gemeinden aus dem Kosovo in der Zeit unmittelbar nach den ethnischen Konflikten in Ex-Jugoslavien.

Inhalt

1.     Einführung: Grenzen sind nicht da, wo man sie zu finden glaubt

2.     Konfliktmediation: ein Beispiel aus Ex-Jugoslavien

2.1.  Die Mediation als pädagogisches Verfahren

2.2.  Tatsächliche Mediation statt Rollenspiel

2.3.  Aus alter Verzweiflung entsteht neue Verbundenheit

2.4.  Wiedergabe der Erfahrung in der Evaluationsphase

2.5.  Eine Zeitmaschine in die Vergangenheit

3.     Die Synthese als erneuerte Mediation

3.1.  Gerade Hinterfragen führt zu Mediation

3.2.  Wer angefangen hat und wer weitergemacht hat, spielt keine Rolle

3.3.  „Nur wer unschuldig ist, darf um Verzeihung bitten“

3.4.  Katharsis

4.     Ausblick

        Weiterführende Literatur

 

 


 

Die Grenzen erforschen.

Einführung in anthropologische Studien als Lernmethode

Catherine Berger

Seit mehr als fünfzehn Jahren bemühen sich Fremdsprachenlehrer die kulturelle Dimension in ihrem Unterricht zu berücksichtigen. Doch ohne besondere Ausbildung, ohne wirkliche pädagogische Unterstützung in den Schul­büchern, sind sie schlecht gewappnet, um gegen Stereotypen und verein­fachte Vorstellungen vom Anderen anzukämpfen. Wenn sie sich nicht selbst tiefergehend mit dem Thema Kultur – besonders mit Nationalkulturen – aus­einandersetzen, tragen sie oft dazu bei, dass der Mythos von Nationen als fest definierten, homogenen Gebilden fortbesteht, welcher in Folge jede Form von Ausgrenzung und Resistenz gegen Veränderung erlaubt. Diese Situation kann verändert werden, wenn in die Lehrerausbildung eine Einführung in anthropologische Grundlagen durch theoretischen Unterricht und praktische Anteile aufgenommen wird.

Inhalt

0.     Einführung

1.     Der Theorie-Kurs

2.     Die Praxis

3.     Die Studien der Studierenden

4.     Die Studie als Teil der Ausbildung

5.     Zusammenfassung und Ausblick

        Literaturverzeichnis

 

 


 

Tripolare Schülerbegegnungen zwischen Nähe und Ferne.

Das Projekt „Sag mir die Farben der Welt“

Françoise Fouquet

Nach der Darlegung der sich verändernden Bedingungen, Ziele und Methoden für deutsch-französische Begegnungen wird ein innovatives trilaterales Projekt vorgestellt. Grundschul-Lehrer und Grundschüler aus deutschen und französischen Partnerstädten, sowie aus einer Stadt in einem außereuropäischen Krisengebiet, arbeiten mit Hilfe kreativer künstlerischer Produktionen und deren Austausch zwei Jahre lang zusammen. Dieses Vorgehen stimuliert und vertieft bei allen Beteiligten auf besondere Art und Weise das Interesse an anderen Kulturen und deren Sprachen.

Inhalt

1.     Deutsch-französische Begegnungen gestern und heute

2.     Neue Herausforderungen

3.     Neue Begegnungsformen

4.     Verlaufsplan des Projektes

5.     Bedeutung der Seminare

6.     Aktuelle Ergebnisse

 

 


 

Interkulturelle Mediation

Peter Knapp

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Hintergründe und theoretische Mo­delle der Mediation im allgemeinen und der interkulturellen Mediation im speziellen. Hierbei werden besonders die Anforderungen zur Veränderung oder Beibehaltung des Methodenrepertoires der Mediation in interkulturellen Kontexten untersucht. Konflikte gibt es in allen Lebensbereichen – in der Familie, in der Schule, im Berufsleben, in persönlichen Beziehungen, in Stadtvierteln, in politischen Beziehungen. Nicht immer ist die unterschied­liche kulturelle Herkunft die Ursache von Konflikten. Und doch spielt der Faktor Kultur bei vielen Konflikten eine wichtige Rolle.

Inhalt

1.     Die Mediation

2.     Modelle der Mediation

3.     Definition und Bedeutung kultureller Faktoren

4.     Kulturelle Grundannahmen des Mediationsverfahrens

5.     Zusammenfassung

        Literaturverzeichnis

 

 


 

Begegnung der Perspektiven.

Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung im Grenzgebiet

Victor Saudan

Die grenzüberschreitende Kooperation der Bildungssysteme erfordert eine besondere Ausbildung der Lehrkräfte. Gleichzeitig stellt diese Art der Zusammenarbeit ein großes Potential dar. Die Erfahrung eines anderen schulischen Umfelds kann unter Umständen zu einer Revision der gewohnten didaktischen Praxis führen. Konkrete grenzüberschreitende Ausbildungsbeispiele, wie ein didaktischer Arbeitskreis, Hospitationen beim Nachbarn und ein trinationaler Regiostammtisch sollen diese Behauptung im folgenden Beitrag illustrieren.

Inhalt

1.    Grenzüberschreitende Kooperation als Herausforderung für die Leh­rerausbildung

2.    Pädagogik grenzüberschreitender Austauschbegegnungen

3.    Bedarfsgerechte Lehrerausbildung

3.1. Historischer Überblick

3.2. Reflektierende Praxis als Ausbildungsmodell

4.    Anfänge einer grenzüberschreitenden Didaktik

4.1. Didaktischer Arbeitskreis

4.2. Hospitation beim Nachbarn

4.3. Trinationaler Regiostammtisch

       Literaturverzeichnis

 

 


 

Transnationales Komplexitätsmanagement und Strategiedenken.

Zur Notwendigkeit einer Mutation in den europäischen Grenzräumen

Michel Ph. Mattoug

Der leicht überarbeitete Vortrag stellt ein soziologisches Essay (Morin 1984) dar. In den Grenzräumen wird eine Generation von „Kulturmutanten“ heranwachsen, die nicht nur bikulturell, sondern metakulturell ausgebildet werden muss, um zu den notwendigen transnationalen Adaptionsprozessen in hyperkomplexen Kontexten befähigt zu sein. Es wird ein praxiserprobtes Modell vorgestellt, welches zur reflexiven Ausbildung der Fähigkeit zum transnationalen Komplexitätsmanagement und Strategiedenken geeignet ist.

Inhalt

1.     Europa entsteht in den Grenzräumen

2.     Das Wesen transnationaler Kompetenz

3.     Strategische Orientierung

4.     Kultur, Kulturen

5.     Mutation

        Literaturverzeichnis

 


 

Transnational – transdisziplinär – transmedial.

Ein Analyseraster für Integrationsstufen in der Hochschulbildung

Markus Molz / Guillaume Bauchet

Im Rahmen der fortschreitenden Europäischen Integration und der Globali­sierung im Zusammenhang mit der informationstechnischen Revolution ist heute das Bildungswesen im allgemeinen und das Hochschulwesen im be­sonderen in allen Bereichen und auf allen Ebenen einem historisch unvergleichbaren Veränderungsdruck ausgesetzt. Die neu erwachsenden, hyperkomplexen gesellschaftlichen Anforderungen an die meisten Bildungsangebote betreffen alle zentralen strukturellen, organisatorischen, curricularen und didaktischen Dimensionen simultan. Dies bedeutet, dass viele miteinander vernetzte Integrationsleistungen erbracht werden müssen, darunter die Integration der kulturellen Vielfalt und die Entwicklung transnationaler Kooperation, die Integration der Neuen Medien, und die Wissensintegration auf der Grundlage extrem schnell wachsender, dezentraler Informationsres­sourcen. Keiner dieser Integrationsbereiche kann für sich genommen heute noch als neu bezeichnet werden. Es existieren in jedem Bereich bereits Paradigmen und Vorgehensweisen für die produktive Ausgestaltung einer verstärkten Integration. Die neuartige Herausforderung besteht vielmehr in der Notwendigkeit, die Integrationsgrade in all diesen Bereichen über alle Strukturebenen hinweg koordiniert voranzutreiben, und dies bei zumeist sinkenden staatlichen Bildungsausgaben. Unter diesen Bedingungen können die innereuropäischen Grenzräume als besonders geeignete Experimentierfelder für die Entwicklung zunehmend integrierter Bildungsangebote angesehen werden. Das vorgestellte Analyseraster ermöglicht eine Verortung des Integrationsgrades von Bildungsangeboten auf verschiedenen Dimensionen und zu verschiedenen Themen. Es ist sowohl zur Feststellung von Ist-Zuständen als auch für die Klärung von Zielorientierungen verwendbar und schafft einen Rahmen für eine integrale Qualitätsentwicklung.

Inhalt

1.     Einführung: Integration und Meta-Integration

2.     Überblick über das Analyseraster

3.     Institutionelle Strategien

4.     Entwicklung von Studienprogrammen

5.     Didaktisches Design von Modulen

6.     Organisationale und pädagogisch-didaktische Integration

7.     Ausblick: Integrale Qualitätsentwicklung

        Literaturverzeichnis