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Was soll eine Lehrkraft im Jahr 2010 können ? Vorbereitende Studie zu Studienanfängern in Landau: Anschreiben und Fragebogen für Experten (Delphi erste Stufe) Fragebogen zur Verortung und zur Bedeutung des Könnens (Delphi 2. Stufe) Gegenstand der Befragung Expertenbefragung mit Hilfe eines mehrstufigen Delphi-Zugangs des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Koblenz-Landau in Landau, (ZLB): Dr. Rainer Bodensohn, Dr. Christoph Schneider, in Kooperation mit dem Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Koblenz - Landau: Prof. Dr. Reinhold S. Jäger , März 2007 1. Vorbemerkungen
1.1 Hintergrund: Lehrermangel und Arbeitslosigkeit
In Deutschland zeichnet sich ein massiver Mangel an Lehrern ab. Nach einer Modellrechnung der Kultusministerkonferenz (KMK), fehlen bis zum Jahr 2015 rund 74.000 Lehrkräfte (Die Welt, 2007). Und der Deutsche Philologenverband schätzt, dass die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen von 10.000 im Jahre 2006 auf 14.000 bis 16.000 im Jahre 2008 steigen wird (tagesschau[1], 2006). Gleichzeitig stagniert der allgemeine Arbeitsmarkt etwas unterhalb der Grenze von 10% offiziellen Arbeitslosen auf einem hohen Niveau.
Verständlich ist, dass der
Lehrerberuf nicht nur junge Menschen anzieht, die von hohen
Mit Ausnahme der Fächer Sport und Kunst finden derzeit an der eigenen Universität keine Aufnahmetests statt, in den durch Numerus Clausus beschränkten Zulassungen wird die Abiturnote als Kriterium herangezogen. Das Fach Psychologie wird sich ab dem WS 2007/08 an zentralen bundesweiten Auswahlverfahren[2] beteiligen.
1.2 Das Lehramtsstudium – eine Negativauswahl?
Gleichzeitig kann beobachtet werden, dass bei den nach Abiturnote aufgenommenen Studierenden von deutlichen Voraussetzungs- und Leistungsunterschieden ausgegangen werden muss. Dieser Sachverhalt ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass das Bundesland Rheinland-Pfalz kein Zentralabitur realisiert.
Eine umfassende Lehrevaluation steht noch aus, jedoch legen subjektive Beobachtungen in den Lehramtsstudiengängen in Landau einen deutlichen Förderbedarf Studierender nahe, der grob pauschaliert mit einer Drittel-Teilung beschrieben werden kann[3]: Ein Drittel wird als hoch motiviert, im Studium selbstständig und leistungsstark beschrieben, ein weiteres Drittel habe in den meisten Kompetenzbereichen einen leistbaren Entwicklungs- und Nachholbedarf und schließlich erscheine annähernd ein Drittel Studierender als zu schwach oder auch für das Lehramt absolut nicht geeignet, um die wissenschaftliche Ausbildung zum Lehrerberuf Erfolg versprechend anpacken zu können. Die Rückmeldungen aus den Studienseminaren in Rheinland-Pfalz legen gleichfalls ein Überprüfen der Voraussetzungen und des Entwicklungsbedarfs der Lehramtsstudierenden nahe (vgl. Pres, 2001).
Die Reform der Lehrerbildung
unter den Leitbegriffen Polyvalenz, Verkürzung der Studien und Praxisbezug
erhebt das Element „Evaluation“ selbst zum Programm. Innerhalb der eigenen
Projekte VERBAL und REBHOLZ wurde hierzu seitens des Lehrerbildungszentrums u.
a. auch nach Belegen für diese alarmierenden Beobachtungen Ausschau gehalten.
1.3 Die Einrichtung von BA / MA –
Studiengängen setzt Kompetenzbeobachtung und
Ab WS 2007 / 2008 soll die geplante Reform der Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz einer Umstellung der traditionellen Studiengänge in BA / MA – Studiengänge realisiert sein. Das Modell sieht vor, keinen berufsbezogenen BA anzubieten, sondern mit Master-Abschlüssen für eine Auswahl von Schularten (Master Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Berufsbildende Schulen) die besoldungspolitische Landschaft abzubilden. Die Masterphase selbst ist bei den Lehrämtern mit dem Ziel Grundschule, Hauptschule und Realschule im Bereich der ECTS-Leistungspunkte mit dem verkürzten Referendariat gekoppelt, sodass die Master-Abschlüsse Grundschule, Hauptschule und Realschule nur mit dem erfolgreich abgeschlossenen Referendariat erlangt werden können. Die Studien bis zum vierten bzw. sechsten Semester (Beginn der Profilphase, Ende des BA) sollen „polyvalent“ gestaltet werden.
Die Reformvorgaben setzen spätestens an zwei Übergangsstellen Entscheidungen zur Karriereplanung voraus: Zunächst am Ende des drittes Semesters im Grundstudium und dann mit dem Erwerb des BA vor dem Übergang in die Masterphase. Die Entscheidungen für oder gegen das Lehramt und für einen der Schulartenabschlüsse der Beliebigkeit zu entziehen führt zur Forderung, eine kriteriengestützte Kompetenzberatung einzuführen. Systematische Kompetenzberatung setzt im Gegensatz zu punktuellen Verhaltensbeobachtungen, so wie sie beispielsweise im Assessment-Center realisiert werden, auf die Gesamtheit der zu beobachtenden Studienzeit. Deswegen wird der längsschnittlich beobachteten Kompetenzentwicklung der Studierenden ein höherer Wert zuerkannt als der Querschnittserhebung. Sofern die Umstellung der Studienstrukturen mit der einhergehenden Auswahlmöglichkeit der Studierenden verbunden ist, werden aus der längsschnittlichen Betrachtung Hinweise auf geeignete Kriterien zur Auswahl Studierender erwartet. Wissenschaftlich wird in den Landauer Kompetenzstudien eine Reflexion erwartet über die
· Anforderungssituation beruflichen Handelns, · fachlichen Standards in Ausbildungsphasen, · Dispositionen der Studierenden, · Implikationen verwendeter Modelle, Modellgenerierung und Modellprüfung, · möglichen Hilfestellungen zu reflexiver Entwicklung der Beteiligten, · potentiellen Kriterien für eine spätere Studierendenauswahl
Gesichert erscheint für den letzten Punkt, dass die Universität in ein Auswahlverfahren eines Teiles ihrer Studierenden eintreten muss, welche sowohl das Anforderungsprofil des Berufsfeldes und der Fächer, als auch die Ergebnisse der Vorstudien und laufenden Kompetenzstudien berücksichtigen. Vorstudien beispielsweise Jäger & Behrens, (1994)[4] bedienen sich der Methode der Expertenbefragung bzw. der Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk (Arbeitsgruppe im SIL, 1999)[5]. Beide Verfahren haben grundlegende „Formate“ erbracht, die an der Universität in Landau nachevaluiert wurden. Die Ergebnisse münden in die Systematik der Evaluationsschritte in Landau ein. Als erste Maßnahme empfiehlt sich aus drei Gründen die Befragung von Experten aus Schule und Ausbildung mit Hilfe der Delphi-Methode:
· Es wird auf diesem Weg unvoreingenommen aus der Sicht von Experten und weitgehend unbeeinflusst von normativen Setzungen ein aktueller, auf das fiktive Jahr 2010 projizierter Kriterienkatalog dessen gewonnen, was eine „gute“ Lehrkraft von ihrem Können her in der Praxis ausmacht. · Es wird ein differenziertes Anforderungsprofil erstellt, indem in der zweiten Stufe der Delphi-Befragung eine Gewichtung der Kriterien untereinander vorgenommen wird. · Es wird das empirisch gewonnene Anforderungsprofil validiert, indem in einer dritten Stufe eine Konferenz der Experten dieses bewertet, ergänzt und gegebenenfalls weiter substantiiert.
2. Grundidee / Anliegen der Delphi-Befragung
Unter der Federführung der Zentren für Lehrerbildung ist die Entwicklung eines für die Lehramtsstudiengänge spezifischen Studieneingangstests geplant, der in der ersten Phase vom ZLB in Landau und vom zepf gemeinsam erarbeitet wird. Voraussetzung dafür ist die Gewinnung eines differenzierten Anforderungsprofils. Beteiligt werden weitere Kompetenzträger in den Campi. Es wird eine Drittmittelförderungen, vorzugsweise durch die DFG, angestrebt. Somit dienen die Resultate der Delphi-Studie auch dazu, der DFG gegenüber die „eigenen Vorarbeiten“ im Rahmen der Antragseinreichung zu dokumentieren. Das Forschungsvorhaben ist verwoben mit der Fortführung und Weiterentwicklung der studienbegleitenden Evaluation der Kompetenzen von Lehramtsstudierenden, so wie sie derzeit im Rahmen des Kompetenzprojektes REBHOLZ[6] durchgeführt wird.
2.1 Ziel der Delphi-Befragung
Die „einschlägigen“ Bereiche der Kompetenzen erfolgreichen Lehrerhandelns sind hinreichend elaboriert (Grobeinteilung: Fachkompetenzen im Sinne des „padagocical content knowledge“, fachwissenschaftliche Kompetenzen, Sozial- und Methodenkompetenzen, personale Kompetenzen und Handlungskompetenzen). Während der theoretische Rahmen unstrittig ist, besteht jedoch im Hinblick auf die Anwendung solcher Modelle in der Schulpraxis ein Defizit in der Operationalisierung dieser Kompetenzbereiche durch konkrete Verhaltenselemente, die diese Bereiche in der Praxis mit Inhalt füllen.
Es ist z.B. unstrittig, dass ein Konstrukt wie „kommunikative Kompetenz“ in der Berufspraxis der Lehrkräfte eine zentrale Stellung einnimmt. Unklar ist jedoch oft, wie sich ein solches (akademisches) Konzept in die Praxis übersetzen lässt. Ziel der Delphi-Befragung ist daher die Gewinnung von Verhaltenseinheiten (in der Form von Items), die die Kompetenzbereiche inhaltlich auskleiden. Für das Beispiel könnte z.B. das Verhaltenselement „Muss vor Eltern frei sprechen können“ zusammen mit anderen Items ein möglicher Zugang der Operationalisierung sein.
2.2 Ablauf und Inhalte der Befragung
Das Vorgehen gliedert sich in drei Phasen, an der jeweils die gleichen Expertengruppen teilnehmen: In der ersten Phase des Delphi werden die Experten anhand eines halbstrukturierten Befragungsbogens um die stichwortartige Nennung des „Könnens“ gebeten, über welches ein „guter“ Lehrer 2010 verfügen sollte. Außer einer groben Einteilung des Lehrerhandelns in die Dimensionen - Erziehen und Unterrichten - Beraten - Organisieren und Verwalten - Bewerten und Beurteilen - Diagnostizieren und Begutachten - Kommunizieren, Kooperieren und Integrieren - Innovieren
werden keine weiteren Vorgaben zur Beantwortung gegeben. Die in der ersten Delphi-Phase gewonnenen Daten werden inhaltsanalytisch ausgewertet und in Itemform übersetzt. In der zweiten Delphi-Phase werden die so extrahierten Items in standardisierter Form (z.B. 6-stufie Likert-Skala) von den gleichen Experten bezüglich ihrer Relevanz im Hinblick auf den Schulalltag bewertet.
Diese Daten aus der zweiten Stufe des Delphi werden im Wintersemester 2007/08 in aufbereiteter Form (deskriptive Statistiken und entsprechende Visualisierungen, evtl. Strukturanalysen) in der dritten Phase zum Gegenstand einer abschließenden Gesamtkonferenz der teilnehmenden Experten gemacht. So können etwa Redundanzen, fehlende oder zu schwach repräsentierte Aspekte sowie Widersprüche im Itemset noch einmal im Plenum diskutiert werden.
2.3 Zeitlicher Rahmen, Umfang und
Rekrutierung der Stichprobe sowie
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